„Und dann war ich reich…“

Ein Leserbrief zum Artikel Reichtum aus der Kategorie “Tagträumchen”

Meine Gedanken zu “Reichtum”

Ich war arm.

Der Stress, jeden Monat Rechnungen zu bezahlen, die Sorgen um eine neue Schuluniform – alles Dinge, die man sich nicht leisten konnte, weil man nichts übrig hatte am Monatsende. Sogar Essen konnte ich mir manchmal nicht leisten und habe den Kindern Kartoffeln mit Butter als Abendessen präsentiert. Für mich langte es leider nicht.

Die finanziellen Sorgen fressen einen innerlich auf. Der Wunsch, es einfacher zu haben, wenn man bloß mehr Geld hätte – alle Probleme wären gelöst.

Aber Gott sei Dank hat man Freunde und Familie, wo man weinen kann und verstanden wird. Man wird umarmt und darin bestärkt, dass alles wieder besser wird. Die eine oder andere Tasche gefüllt mit Lebensmitteln war für mich eine Freude, die ich nicht beschreiben kann.

Ach, wenn ich bloß mehr Geld hätte, alles wäre soviel einfacher.

Und dann war ich reich.

Ein unfassbares Gefühl, wenn man plötzlich keine Angst mehr haben muss, dass man Rechnungen nicht bezahlen kann oder der Gerichtsvollzieher vielleicht an die Tür klopft und den Fernseher mitnimmt. Ich kann in den Urlaub fahren und ja – ich kann mir ein Auto leisten, welches nicht nach drei Monaten zusammenbricht.

Ach die Freude – so riesig! Und natürlich freuen sich die Freunde auch für mich, dass mein Leben und das Leben meiner Kinder leichter geworden ist…… HALT – STOP!

Nein, es war dann doch nicht so. Meine Freude hat sich bald sehr verringert, als ich feststellen musste, dass Freunde dann doch nicht so glücklich für einen sind. Eifersucht kommt auf, Fragen, ob man nicht für Flugtickets bezahlen könnte, die selbstverständliche Erwartung, dass man das komplette Abendessen im Restaurant bezahlt.  

Aber am schlimmsten ist eigentlich, dass man mit niemandem über die eigenen Probleme reden kann – denn schließlich hat man ja keine Probleme, wenn man Geld hat. Und man hört Dinge wie “Du weißt nicht, was Probleme sind, Dir geht es ja gut jetzt”. Weinen gibt es nur noch alleine unter der Bettdecke. 

Das Beste, das man machen kann, wenn man Geld hat: Kein großes Haus, keinen Sportflitzer, nichts, das darauf hinweist, dass man Geld hat. Es erleichtert einem das Leben im Freundeskreis und in der Gesellschaft. Lowkey ist das Stichwort.

Nach vielen Jahren Reflexion meiner “2 unterschiedlichen Leben” muss ich sagen, dass ich mich als Person nicht verändert habe.

Nicht das Geld verändert einen, sondern das Geld verändert andere um einen herum.

Und zuletzt möchte ich sagen, dass ich es nie vergessen werde, wie es mir in der Armut ging. Und ich werde immer Menschen helfen, die es brauchen.

Das unterscheidet mich von Leuten, die schon immer reich waren. Da fehlt dann doch oft – das Herz.

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers, der mir namentlich bekannt ist.)

(Bildnachweis: Pexels)