Man muss ja auch dankbar sein

Man soll dankbar sein für das, was man hat. Anderen geht es schlechter. Es könnte schlimmer sein. Erfreuen wir uns an den schönen Dingen des Lebens…

Diese nett gemeinten Mutmacher in schweren Zeiten kennen Sie alle sicherlich und oftmals nerven sie uns – seien wir doch ehrlich – extrem. Was aber bringt uns der Fluss aus Selbstmitleid, der uns nur tiefer in seine Fluten zieht als uns eigentlich lieb ist? Noch mehr Elend. Zumindest gefühlt. Wagen wir also einmal den Griff nach einem Grashalm am matschigen Ufer. Seien Sie unbesorgt, wenn Sie die Kraft aktuell noch nicht aufbringen und lassen sich noch etwas in Ufernähe treiben. Sie werden weiter kommen als ihre Weggefährten und das Wasser gestärkter verlassen, als Sie jetzt vielleicht glauben. Jeder muss die beste Stelle und den stabilsten Grashalm für sich selbst finden. Notfalls den Anker werfen. Wir alle haben einen.

Am Ufer mag es hektisch und befremdlich zugehen, jeder scheint mit sich selbst beschäftigt. Das ist normal, man muss sich sortieren und finden. Das ist der Vorteil an der ganzen Misere. Wir gehen zwangsläufig in uns, entdecken uns neu und finden neue Wege des eigenen Glücks. Das wiederum führt unsere Gesellschaft, vielleicht neu, aber bereichernder zusammen. Wir alle finden unseren Platz, lernen uns selbst und andere wieder wertzuschätzen, begreifen den Sinn des Lebens. Das mag stellenweise schmerzliche Erkenntnisse mit sich bringen, zeitgleich jedoch auch Geschenke, die zuvor in der Flut untergegangen und nun an Land gespült worden sind. Nehmen wir sie dankbar an und lassen Altes los.

(Bildnachweis: Dana Jungbluth)