„Fürchtet Euch nicht!“

Die Kartage lösten bei mir schon in der Kindheit immer ein seltsames Gefühl aus. Es war so extrem ruhig. Alles stand still, selbst die Kirchenglocken. Die Vorbereitungen für das Osterfest wurden ebenfalls in einer nachdenklichen Stille verrichtet. Einzig die „Zehn Gebote“ im Fernsehen und die Klapperjungen auf der Straße waren zu hören. Abgesehen vom Eierfärben für uns Kinder eine furchtbar langweilige Zeit, die wir dennoch irgendwie genossen. Zum ausgiebigen, entspannten Spielen. Trotzdem eine komische Atmosphäre. Traurig, auch ein wenig beängstigend, aber wohl wissend, dass etwas Großes ansteht und daher voller Hoffnung und Vertrauen, dass alles gut wird!

Wir haben 2021, ein Jahr Corona liegt inzwischen hinter uns. Es ist das zweite Osterfest, das wir nicht im Kreise unserer Familie feiern und ich bin traurig. Die Traurigkeit verflog in diesem Jahr leider nicht wie sonst zu Ostern. Mir fehlt meine Familie! Allein beim Schreiben dieser Worte sticht mein Herz. Meine Tränen halte ich der Kinder wegen zurück, was zusätzlich schmerzt. Bei den gestrigen Vorbereitungen für das Osterfest habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine komische innere Leere verspürt. Da war nichts wie sonst. Einfach nichts. Ich versteckte schöne Kleinigkeiten – durchaus liebevoll wie immer – für unsere Kinder und erfreute mich bei dem Gedanken an deren Gesichter und Jubelrufe bei der Suche. Dennoch fehlte etwas in mir. War es Hoffnung? Vertrauen? Überschattet von Angst? Kein schönes Gefühl!

Die Kinder schliefen bereits früh am Abend ein; auch etwas, das anders war als sonst, konnten sie doch eigentlich vor lauter Aufregung und Vorfreude bei großen Festen nie vor Mitternacht zur Ruhe kommen. So hatte ich alle Dinge rechtzeitig abgeschlossen und zog mich zum Nachdenken und Durchatmen auf die Terrasse zurück.

Müde, erschöpft und ein wenig verloren ließ ich mich auf den Stuhl fallen und blickte fragend zu den Sternen hinauf. In dem Moment ertönten sie. Die Kirchenglocken. Ich liebe diesen Moment nach den Kartagen! Ich liebte es schon als Kind, wenn man endlich wieder den Klang der Kirchenglocken vernehmen durfte. Überhaupt ein Geräusch, das ein unbeschreiblich feierliches Glücksgefühl in mir auslöst. So saß ich also da. Im Dunkeln auf der Terrasse. Und lächelte. Ich fühlte mich wunderbar geborgen, wenn auch die Traurigkeit nicht verflogen war.

Heute Morgen überkam mich zwar noch nicht die übliche Osterfreude, dennoch genossen wir unser gemeinsames Osterfrühstück, nachdem die Kinder ganz aufgeregt gesucht hatten, was der Osterhase für sie versteckt hatte. Momente, die unser Elternherz stets hüpfen lassen. Einfach schön!

Danach ging es gleich zur Kirche zum Kindergottesdienst, der wie immer und trotz der Lage so schön gestaltet war, dass selbst mein evangelischer Mann ganz angetan war. Ein fantastisches Blumenmeer schmückte die Kirche, es gab Gitarrenmusik mit Gesang, eine Osterkerze für jedes Kind und sogar dort hatte der Osterhase für alle Kinder Eier versteckt.

Mir persönlich hat es auch gut getan – gerade in dieser Zeit – in der Kirche mit anderen Menschen zusammenzukommen. Ich bin froh und dankbar über die Entscheidung der Kirche, Gottesdienste möglich zu machen! Und ich bin glücklich und zuversichtlich, wenn ich die Kirchenglocken höre. Es ist Ostern! Jesus ist bei uns. Er ist wahrhaftig auferstanden! Darauf vertraue ich in allen Stunden. Gerade in den dunkelsten.

(Bild und Video: Dana Jungbluth)