Eine Flugreise in Zeiten von Corona

Ist die Angst vor einer Flugreise in Zeiten von Corona berechtigt oder eignet sich gerade diese Zeit besser denn je zum Verreisen? Und ist es überhaupt möglich, dem neuen Corona-Alltag zu entkommen und eine entspannte Auszeit zu nehmen? Anfang Juni habe ich einen der ersten wiederaufgenommenen Eurowings-Flüge vom Düsseldorfer Flughafen nach Split in Kroatien genommen und konnte diesen Fragen auf den Grund gehen.

Angekommen an einem fast menschenleeren Flughafen, stellte ich mir durchaus kurz die Frage, was ein Mund-Nasenschutz hier bewirken soll, verwarf diese aber sogleich wieder, um mich in das ungewohnte Flughafenambiente einzufinden. Anzeigen in Anzahl etwa eines Bruchteils vergangener Zeiten zierten unauffällig und einsam die vergleichsweise wuchtig wirkenden Abflugtafeln. Der überwiegende Teil der Passagiere schien aus familiären Gründen nach Kroatien reisen zu wollen. Kein üblicher Urlaubsflug also, wie man ihn einst kannte. Das Einchecken sowie die Sicherheitskontrolle verliefen aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln so lange, dass einem bereits hierbei klar war, dass ein pünktlicher Abflug unmöglich ist. Beim Check-in wollte man lediglich wissen, ob ich eine Unterkunft in Kroatien besitze oder gebucht habe und verlangte nach der Adresse. Die Sicherheitskontrolle machte hingegen den Eindruck einer Durchsuchung zahlreicher Schwerverbrecher, weshalb die Gesamtstimmung bereits hier zu kippen schien. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Das Boarding zog sich derart lange hin, dass die Bundespolizei ob einiger aufgebrachter Passagiere einschreiten musste. Zum einen brauchte es mehrere Busse, um alle Passagiere unter Einhaltung der geltenden Abstandsregelungen zum Flugzeug zu transferieren, zum anderen war der Flug sogar überbucht, was das Ärgernis der betroffenen Personen durchaus erklärte, deren Benehmen jedoch keinesfalls entschuldigte. Von leeren Bussen ging es also in einen voll besetzten Flieger. Nach erfolgtem Aussortieren des zu viel eingeladenen Gepäcks sowie einigen ermahnenden Worten des Kapitäns an ungehaltene Passagiere, hob der Flieger etwa zwei Stunden später als geplant ab. Die Kabinenbesatzung war überaus freundlich, geduldig, zuvorkommend und verständnisvoll und bemühte sich sichtlich um einen angenehmen Flug trotz aller Umstände. Äußerst professionell! Zwar findet derzeit kein gewöhnlicher Bordservice während eines Fluges statt, jedoch haben Sie durchaus die Möglichkeit, Wasser und einen kleinen Snack zu erwerben oder gar selbst mitgebrachte Speisen zu verzehren. Bei einem kurzen Flug also durchaus passabel. Während des Fluges bekam jeder Passagier eine sogenannte Aussteigekarte zum Ausfüllen ausgehändigt, dies übrigens unabhängig davon, ob Sie sich bereits online im jeweiligen Zielland als Gast angekündigt haben oder nicht. In dieser Karte müssen Sie Angaben zu Ihrem exakten Aufenthaltsort und eventuellen Mitreisenden machen, Ihren Sitzplatz und die Flugnummer notieren sowie Ihre eigenen Kontaktdaten und einen Notfallkontakt angeben. Die Aussteigekarten werden vom Bordpersonal noch während des Fluges zur Übergabe am Zielflughafen eingesammelt. Somit vergeht die Zeit sprichwörtlich wie im Flug.

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Der im letzten Jahr neu fertiggestellte Flughafen Split empfing seine Passagiere ebenfalls mit leeren Hallen und wenigen Angestellten zur Abfertigung des noch sehr geringen Flugaufkommens. Gleich bei Verlassen des Flugzeuges erhielt ich eine SMS mit Informationen, welche Nummer ich im Krankheitsfall kontaktieren muss, um eine Ansteckung mit Corona ausschließen oder gegebenenfalls Kontakte nachverfolgen zu können, bei der Passkontrolle wurde ich nochmals nach meinem Aufenthaltsort und meinen Kontaktdaten gefragt. In einer fast geisterhaften Ankunftshalle erwartete mich einsam und allein mein Gepäck. Aufatmen ließ mich im wahrsten Sinne des Wortes das unbeschwerte Atmen ohne Maske, ist das Tragen einer solchen in Kroatien immerhin nicht verpflichtend. Hier setzt man auf die Einhaltung von Abstandsregeln und eine ordentliche Händehygiene. Desinfektionsmittel stehen allerorts zur Benutzung zur Verfügung. Eine Maßregelung für eventuell falsches Verhalten wie sie in Deutschland oftmals stattfindet, erleben Sie hier nicht. Stattdessen empfangen Sie freundliche und aufgeschlossene Menschen, ob am Mietwagenschalter, im Supermarkt, beim Spaziergang oder im Café. Den Menschen steht bei einem Aufeinandertreffen keine Panik ins Gesicht geschrieben. Ein durchaus erholsamer, wenn auch überraschender Effekt nach wochenlangem Social Distancing par excellence. Auch das Händeschütteln pflegt man in Kroatien wieder, ebenso wie den Grundschul- und Kindergartenkindern bereits wieder ein normaler Schulbetrieb ohne psychisch belastende Regelungen ermöglicht wird. Als Deutscher mag man sich zunächst vielleicht wie ein Alien oder zumindest verunsichert vorkommen, jedoch werden die gastfreundlichen Kroaten es Ihnen nicht übelnehmen, wenn Sie auch hier weiterhin Wert auf soziale Distanzierung legen. Man wird Sie verständnisvoll und herzlich aufnehmen.

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Kroatien ist aus den letzten Jahren für seine überragenden Besucherrekorde bekannt. Überlaufene Städte werden Sie in diesem Corona-Jahr allerdings nicht sehen, schätze ich. Derzeit finden Sie absolut leere Strände, Bars und Straßen vor. Wie sonst außerhalb der Saison. Für den ein oder anderen sicherlich ein angenehmer Vorteil zur ruhigen und ungestörten Erkundung des Landes bei meistens bestem Wetter. Anders und ungewohnt ist es jedoch schon und zumindest ich gönne es jedem einzelnen von Herzen, schon bald wieder sein liebstes Reiseziel besuchen zu können. Auch der Tourismusbranche ist ein Aufschwung sehr zu wünschen. Ich selbst nutze meinen hiesigen Aufenthalt zur ungestörten Recherche und bin gespannt auf die weitere Entwicklung, auch hier in Kroatien. Soviel sei festzuhalten: Grund zur Angst vor einer Flugreise besteht aktuell in meinen Augen nicht. Bei einem achtsamen und rücksichtsvollen Umgang mit der Situation spielt Ihr Aufenthaltsort letztlich keine Rolle und ein Tapetenwechsel tut derzeit sicherlich jeder Seele gut. Jedoch sollten Sie für Ihre Reise Geduld und Zeit aufbringen und Ihre persönliche gesundheitliche Verfassung und andere individuelle Aspekte dabei berücksichtigen. Stehen diese Voraussetzungen gut, sollte Ihrem wohl verdienten Urlaub nichts im Wege stehen. Auch stehen die Chancen auf attraktive Schnäppchen derzeit nicht schlecht. Abschalten und Entspannen ist Ihnen an leeren, nicht überlaufenen Küsten gewiss, das Einhalten eines Mindestabstands somit ebenfalls gewährleistet. Durch Masken verdeckte Gesichter bleiben Ihnen in Kroatien zumindest weitestgehend erspart, ebenso wie panische und angsterfüllte Begegnungen mit anderen Menschen. Durchaus eine lohnenswerte und beruhigende Ablenkung in diesen Zeiten und ein kleines Stückchen Normalität. Ein Entkommen aus dem deutschen Corona-Alltag ist in Kroatien gegeben, der Wunsch nach Normalität vielleicht unsere neue Urlaubssehnsucht. „Sretan put“ wünsche ich Ihnen! Ganz gleich, wohin Ihre Reise auch geht.

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(Bildnachweis: Dana Jungbluth)