Das Ding mit der Angst

Die weltweit bekannte German Angst schlägt gerade mit voller Wucht zu. Dabei wissen wir doch, dass Angst kein guter Ratgeber ist. So zumindest versuchte man uns zur (bereits vergessenen) Flüchtlingskrise wenigstens einzureden, handelte es sich schließlich bei den Negativbeispielen zu Integrierender lediglich um Einzelfälle und nicht um die Regel. Umso erstaunlicher also, dass man sich nun im Würgegriff der Angst ausgerechnet aufgrund schrecklicher Einzelfälle suhlt. Auch Obergrenzen sind plötzlich erwünscht, gar absolute Voraussetzung zur Rettung der Menschen. Geschlossene, kontrollierte Grenzen. Was doch alles möglich ist, wenn die Scheiße an der eigenen Haustür förmlich anklopft, sie eben spürbar den so bequemen Alltag tangiert. Jeder ist sich selbst halt doch der Nächste. Was wir auch daran merken, dass ein jeder gerade vehement seine ganz persönlichen Interessen zu verteidigen versucht. Seien diese gesundheitlicher, monetärer, freiheitlicher oder auch allmächtiger Natur. Soweit völlig ok. Was hingegen nicht ok ist, ist dieser somit immer bedauerlicher werdende Zustand unserer Gesellschaft. Ja, es ist beängstigend. Und es lähmt.

Ich habe Angst. Vor einer um sich greifenden Atmosphäre aus Wahn und Verzweiflung. Manche sind der Meinung, dass so genannte Verschwörungstheoretiker einem Wahn verfallen seien, wovon ich in etlichen Fällen ebenfalls ausgehe. Jedoch sehe ich dies ebenso bei denjenigen, die gerade liniengetreu ihr Leben aus solidarischen Gründen komplett aufgeben. Und daran psychisch zugrunde gehen. Nicht schön. Ebenso wenig wie die eigenen Kinder traurig und unverständlich sehen und auf alle möglichen Freiheiten vertrösten zu müssen. Etwa solche, seine Liebsten sehen und umarmen zu dürfen, anstatt mit Abständen und Hygieneritualen in einer maskierten Umgebung vorlieb nehmen zu müssen. Ich ertrage Kontaktbeschränkungen eine ganze Weile, da ich als erwachsener Mensch schon so einiges erlebt habe und gewohnt bin. Aber da musste ich erst einmal hinkommen. Ich weiß, was es heißt, Angst um die eigene Gesundheit haben zu müssen. Ich weiß, was es heißt, Todesangst zu verspüren. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder derartige Ängste in ihren jungen Jahren haben müssen. Nichts anderes aber geschieht derzeit, wenn wir selbst unsere Kinder unter Masken zwingen und ihnen ein normales, unbedachtes Spielen mit ihren Freunden oder die Umarmung mit den eigenen Großeltern verwehren. Angst macht krank. Sie macht schwach, hilflos und am Ende wahnsinnig. Angst macht Angst. Und tieftraurig.

Was wir aktuell erleben, könnten wir durchaus als Massenpanikattacke beschreiben, wobei jeder seinen ganz persönlichen Trigger hat, den wir höchstens durch beruhigende Worte und einen Perspektivwechsel, also unaufgeregte Aufklärung und Auseinandersetzung abschwächen und nur mit sehr viel Glück beseitigen können. Unnötig also die Bezeichnung als Leugner. Ein Begriff, der die Deutschen wohlwissend knebelt. Ein durchaus beruhigender Aspekt etwa ist, dass wir es glücklicherweise nicht mit Ebola zu tun haben. Dies soll nicht als Hohn auf Erkrankte verstanden werden, sondern lediglich als Fakt, der uns den Umgang mit der Pandemie insgesamt doch eigentlich erträglicher machen könnte. Ich möchte, ebenso wie jeder andere, nicht schwer am Coronavirus erkranken, genauso wenig wie an einer Grippe, einem Schlaganfall oder anderen Krankheiten. Würde man mir jedoch jeden Winter die – ebenfalls vorkommenden – gesunden und jungen Opfer einer Influenza medial präsentieren, führte dies auf Dauer sicherlich dazu, dass ich anstatt rauszugehen, lieber einen Winterschlaf hielte. Aber das Leben geht weiter. Bis es eben endet. Ob durch ein Virus oder durch Angst. Die Angst jedoch bringt uns schon um, bevor wir wirklich tot sind.


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