Wir dürfen uns glücklich schätzen

Eine Gegebenheit, die in Deutschland sehr wertvoll ist und die ich bislang jedoch gar nicht richtig zu schätzen wusste, weil ich sie wohl stets als selbstverständlich erachtete, ist die Möglichkeit der freien Arztwahl. Eine wichtige Voraussetzung, um seine Gesundheit vertrauensvoll in die Hände fremder Menschen zu legen. Von den von mir persönlich ausgewählten Fachärzten erwarte ich, dass sie mich und meine Sorgen ernstnehmen und mich gleichzeitig zu beruhigen wissen. Ich erwarte eine unaufgeregte und ehrliche Aufklärung über Krankheiten und deren Behandlungsmöglichkeiten, mitsamt ihrer Prognosen, aber auch über Risiken. Sollte ein Arzt an seine fachlichen Kompetenzgrenzen stoßen, so erwarte ich von ihm, dass er mir die Weiterbehandlung durch einen Experten empfiehlt, den ich mir wiederum ebenfalls selbst aussuchen kann. Möchte ich mir aus irgendwelchen Gründen eine Zweitmeinung einholen, so ist auch das in Deutschland in aller Regel problemlos möglich. Bestenfalls fühle ich mich von den jeweiligen Medizinern so gut beraten, dass mir hiernach eine eigenständige Entscheidung über eine Therapie möglich ist. Vielleicht entscheide ich mich aber auch gegen eine Therapie oder für die homöopathische Alternative, vielleicht aber bete ich auch einfach oder laufe nachts nackt und mit Mundschutz durch das Haus, weil ich irgendwo gelesen habe, dass ich dabei, wenn ich Glück habe, vom Blitz getroffen und geheilt werde. Meine Entscheidung. Geil!

Ok, auch für mich gibt es natürlich so manche Theorien, die ich als lächerlich oder gar schwachsinnig abhake. Und dennoch bin ich froh, dass ein jeder in Deutschland seinen Schwachsinn äußern darf, da ich grundsätzlich erstmal jedem die Fähigkeit des selbstständigen Denkens unterstelle. Ich weiß, dafür werde ich womöglich nun belächelt. Das macht aber nichts, auch das ist in Deutschland zum Glück Ihr gutes Recht. Ebenso wie dieses auf Ihre körperliche Unversehrtheit. Um für uns persönlich, vor allem für uns medizinische Laien, jedoch abwägen zu können, was das Beste für unsere Gesundheit ist, ist die Expertise verschiedener Fachleute aus unterschiedlichen Richtungen wichtig. Hinzu kommt unser jeweils eigener Ethos sowie persönliche Erfahrungen und auch das alt bewährte Bauchgefühl, anhand dessen wir uns schließlich unsere eigene Meinung bilden.

Ich muss kein Abtreibungsbefürworter sein, um es gut zu finden, dass Frauen diese schwerwiegende Entscheidung selbst treffen dürfen. Ebenso muss ich kein Impfgegner sein, um Zwangsimpfungen als äußerst kritisch zu betrachten. Und ich muss kein Experte sein, um Experten anhand einer Aussage als vertrauensunwürdig einzustufen. Ja, Sympathie und Vertrauen spielen bei der freien Arztwahl ebenso eine Rolle wie deren noch so gutes Studium, welches sie womöglich genossen haben. Durch Anmaßung und Arroganz etwa können sie sich bei mir innerhalb eines kurzen Moments schlagartig als suspekt disqualifizieren. Da pflichte ich Herrn Prof. Dr. Drosten absolut bei, wenn er, wie in seinem Video für das Bundesministerium für Gesundheit vom 16. April 2020 „allen raten möchte, verlässliche Informationen zu suchen“ und „sich nicht auf irgendwelche Professoren oder Doktoren zu verlassen, die nur weil sie Mediziner sind, für sich beanspruchen Ahnung von diesen Dingen zu haben.“ Exakt. Und wer für Sie verlässliche Informationen liefert, dürfen Sie alle zum Glück völlig frei entscheiden!

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(Bildnachweis Titelbild: Pexels)
(Bildnachweis Screenshots: Facebook-Posting des Bundesministeriums für Gesundheit und des zugehörigen Videobeitrags von Prof. Dr. Drosten)